• Blog Permakultur

Wenn in diesen Tagen die Sonne sich für eine halbe Stunde gegen Wolken, Graupelschauer oder Schneetreiben durchsetzt, suche ich mir gerne ein windstilles Plätzchen und genieße die wärmenden Strahlen. Erstaunlich, wie viel Kraft die Sonne jetzt schon hat. Trotzdem treibt mich der nächste eiskalte Schauer wieder ins Haus. Aber in diesen kurzen Momenten tanke ich Sonnenschein, Wärme, Wohlbefinden.

Unbewusst folge ich damit dem Permakultur-Prinzip „Sammle und speichere Energie“. Denn auch, wenn wir dabei vielleicht als erstes an Windräder, Speicherbatterien oder passive Solarnutzung zum Heizen denken, gilt dieses Prinzip für jede Form von Energie.

Je länger ich mich damit beschäftig habe, um so spannender finde ich dieses Prinzip. Was ist denn eigentlich alles Energie? Elektrische Energie ist für die meisten von uns klar, Heizenergie in Form von Öl, Gas, Holz, oder Kohle auch, Sonnenenergie, Windenergie, Wasserenergie. Bei genauerem Hinsehen können wir uns fragen, ob auch Geld Energie ist. Im Garten speichern Pflanzen Energie aus dem Sonnenlicht. Ganz besonders in ihren Früchten oder in der Wurzel. Wenn wir also Erdbeeren ernten oder Möhren ziehen, dann sammeln wir Energie ein. Wenn wir Marmelade aus Früchten kochen oder Apfelringe trocknen, speichern wir Energie, die wieder frei wird, wenn wir diese Köstlichkeiten essen. Dabei beobachte ich, dass nicht nur die analytisch nachweisbaren Kilokalorien wieder frei werden. Je nach dem bringen sie auch etwas von der Freude beim Ernten, der Schönheit am Baum oder der Gemeinschaft beim Verarbeiten wieder hervor.

Es gibt als noch mehr Formen von Energie. Emotionen kann man zwar nicht festhalten und aufsparen, wenn man gesund bleiben will, aber die Energie der Freude oder auch die Energie, die aus der Wut entsteht, kann ich weitertragen. Auch Wissen ist nicht nur sprichwörtlich Macht, sondern ebenfalls eine Form von Energie. Interessanterweise sprechen wir auch in Bezug auf Beziehungen von einem Konto oder Tank, den wir füllen können. Oder der leer ist. Oft spielt bei dem Sammeln von Energie der Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Was ist gerade im Überfluss vorhanden und lässt sich leicht einsammeln?

Wenn wir mit dem Energiesammler-Blick auf die momentane Situation in unserem Land schauen, eröffnen sich spannende Perspektiven. Aus der Herausforderung des Distanzlernens wird die Gelegenheit für meine Tochter, ganze Schulwochen bei ihrem Vater zu verbringen und das Vater-Tochter-Beziehungskonto zu füllen. Wenn Geld Energie ist, können wir beobachten, in welche Bereiche unsere Gesellschaft gerade Energie gibt – und in welche nicht. Wie sieht es bei mir persönlich aus? In was gebe ich Energie in Form von Zeit und Geld? Wandle ich z.B. ein „Zuviel“ an Zeit allein Zuhause in Wissen, selbstgesammelte Kräutertees oder eine bessere Organisation in meinem Haushalt um, die mir Energie geben, wenn die Zeiten sich wieder ändern? Nicht zuletzt kann aus der Wut über bestimmt politische Entscheidungen Energie für Wandel und Veränderung werden.

Auf geht’s: „Catch and store energy!“ – ich muss jetzt mal schnell vor die Tür: die Sonne scheint gerade!