• Blog Permakultur

Kennst Du das im Frühling auch? Ein bestimmter Duft, eine Blüte, ein prägnantes Vogelzwitschern und das Herz schlägt ein bisschen höher. Es sagt: ja, jetzt ist er da – der Frühling!

So ging es mir heute, als ich in meinen Garten kam und die ersten hellgrünen Blättchen des Giersch entdeckte. Er ist einer meiner persönlichen Frühlingsfavoriten. „Das furchtbare Unkraut?!“ mögen einige denken, denn Aegopodium podagraria wie der Giersch ganz wissenschaftlich schlau heißt, hat einen schlechten Ruf. Er wuchert mit seinen Ausläufern ganze Flächen zu (ja, wenn man ihn lässt). Man wird ihn nie wieder los, wenn er einmal im Garten eingeschleppt ist (zumindest nicht durch Jäten). Warum soll man sich über solche Blättchen freuen?

Ganz einfach – er ist lecker. Außerdem ist er einfach zu ernten. Wenn man ihn hat, hat man meistens reichlich. Er wächst über das ganze Frühjahr nach. Er wächst nicht nur in Gärten, auch an Waldrändern findet sich oft reichlich. Obendrein ist er sehr vitaminreich – und lecker. Sagte ich das schon?

Also mit den ersten frischen Gierschblättern beginnt bei mir die Wildkräuter-Saison. Es ist fantastisch, was sich so an Zäunen, Waldrändern und am Rande von Wiesen ernten lässt. Ganz ohne dass Du es säen musst. Aus Giersch mache ich Pesto, die Blätter kommen in den Salat oder gemeinsam mit Ricotta als Füllung in Ravioli... Die Verwendung von Giersch in der Ernährung ist zudem ein super Praxisbeispiel für das Permakultur-Prinzip „Nutze Ränder und schätze das Marginale“. Giersch wächst am Rand, unter der Hecke oder dem Zaun. Dort wo wir als Gärtner schlecht hinkommen. Bisher ist er nicht hip – kein Bärlauch, sondern einfach Unkraut. Aber er kann zu einer vitaminreichen, köstlichen, abwechslungsreichen Frühjahrsküche beitragen. Ein weiteres Permakultur-Prinzip kann er besonders dann verdeutlichen, wenn wir z.B. einen verwilderten Garten übernehmen. Es kann eine Zeit dauern, bis Kulturpflanzen wieder Ertrag bringen. In so einem Fall können Wildkräuter durchaus zum Prinzip „Erziele einen Ertrag“ beitragen. Es ist nicht immer direkt der Ertrag, den wir uns langfristig von unserem Garten wünschen. Aber es ist ein kleiner Ertrag.

Meine weiteren vier Wildkräuter-Favoriten verrate ich Euch auch: Brennesel, Bärlauch, Gundermann und Schafgarbe. Alle toll, alle lecker und alle gesund. Also wirkliche fabulous five.

Mit dem Stichwort „gesund“ leiten sie auch gut über zur Anwendung des Prinzips auf die Corona-Krise. Meiner Wahrnehmung nach nur ganz am Rand tauchen in der Diskussion um Gegenmaßnahmen pflanzliche Wirkstoffe auf, z.B. Phytopharmaka. Dabei gibt es einige Kandidaten, deren anti-virale und/ oder immunstärkende Wirkung gut belegt ist. Ich verrate Euch auch hier meine fünf Favoriten. Spitzenreiter in der wissenschaftlichen Anerkennung ist die Zitronenmelisse mit ihrer Wirkung gegen Herpes-Viren. In einer medizinischen Studie war die Wirksamkeit von Melissen-Präparaten höher als die aller getesteten synthetischen Wirkstoffe. Entsprechende Präparate gibt es in jeder Apotheke. Besonders im Sommer hilft aber auch einfach ein leicht zerquetschtes frisches Melissenblatt auf der Lippe bei den ersten Anzeichen von Herpes...Von einer Studie, ob Melisse auch bei Corona-Viren wirksam ist, habe ich noch nichts gehört.

Gegen Viren spezielle im Rachenraum ist auch ein Kraut gewachsen, die Cistrose. Sie hüllt die Schleimhäute schützend ein, so dass die Viren viel weniger Möglichkeiten haben, sich festzusetzten. Bio-physikalische Virenabwehr also. Cistrosen-Tee oder -Lutschtabletten würden keine Müllberge wie Einweg-Masken hinterlassen, die Pflanze wächst in Süd-Westeuropa fast als Unkraut… Heilpraktiker haben schon zu Beginn der Corona-Ausbreitung auf den Nutzen der Cistrose hingewiesen – weitere Erforschung, offizielle Anwendungsempfehlungen... Fehlanzeige.

Ein heimischer Kandidat mit einer langen Tradition des Einsatzes bei Erkältungskrankheiten und Fieber ist auch dabei – der Holunder. Holunderblüten ergeben einen hervorragenden Tee, um den menschlichen Körper beim Fiebern zu unterstützen. Sie fördern damit also die Selbstheilungsstrategie des Körpers auch gegen Viren. Darüber hinaus wirken sie auch direkt antiviral – wenn wohl auch eher milde. Zu Beginn von Symptomen wie sie bei einer Infektion mit dem Corona-Virus beschrieben werden, wird Holunder also ein guter Begleiter sein. Wie weit seine Anwendung z.B. schwere Verläufe vorbeugen kann wäre eine spannende Frage, die die Lage auf den Intensivstationen verändern könnte.

Ganz traditionell ist auch die Anwendung von Engelwurz-Wurzel. Früher kaute man z.T. Wurzelstücke, um sich vor Ansteckung zu schützen. Man kann aus der Wurzel gemischt mit anderen Kräutern auch einen leckeren Tee bereiten. Zu guter Letzt kann mit Engelwurz-Wurzel verräuchert werden und sie wirkt dann tatsächlich gegen Keime in Aerosolen.

Eine recht neue Entdeckung für mich persönlich ist ein Pilz: die Schmetterlings-Tramete, Trametes versicolor. Sie wächst in unseren Wäldern auf Totholz. Weltweit vertreten gilt sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit Jahrhunderten als eines der wichtigsten immunstärkenden Mittel überhaupt. Neuere Studien aus Japan bestätigen dies. Dort ist sie bzw. ein Wirkstoffextrakt aus diesem Pilz zur Begleittherapie bei Tumor-Behandlungen zugelassen. Besonders hervorgehoben wird in Studien die extrem geringe Zahl beobachteter Nebenwirkungen.

Es kann frustrieren, dass alle diese pflanzlichen Helfer bisher keine Rolle in der öffentlichen Diskussion um Corona spielen und viele Chancen und ein riesiges Potential ungenutzt bleiben. Das Tolle ist wie so oft: wir können selber sofort etwas daran ändern. Sich weitere Informationen suchen, einen Holunderblüten- oder Engelwurz-Tee trinken, mit Menschen positiv über die Pflanzen und ihre Wirkung ins Gespräch kommen….

Für alle, die in diesem Frühjahr mit dem Gärtnern so richtig durchstarten wollen, habe ich auch noch etwas: am 20.3.2021 starten der Kurs „Einfach gärtnern“ an der VHS Friedrischshafen. Darin begleite ich Dich durch das ganze Gartenjahr und zeige viele Tricks, damit Dir das ökologische Gärtnern mit Freude und Leichtigkeit gelingt.

Herzlich Katrin